Point-of-Care-Ultraschall verspricht Hoffnung für Osgood-Schlatter-Diagnosen

March 24, 2017

Dr. Ralf Doyscher vom Centrum für Sportmedizin der Charité - Universitätsmedizin Berlin arbeitet eng mit Profi- und Amateur-Fußballmannschaften zusammen. Vor kurzem nahm er an einem wissenschaftlichen Projekt für präventive Gesundheitsuntersuchungen bei jungen Nachwuchstalenten teil und nutzte diese Gelegenheit, die Möglichkeiten von Point-of-Care-Ultraschall (POC-Ultraschall) bei der Diagnose von Morbus Osgood-Schlatter bei diesen Spielern zu untersuchen.

 

Morbus Osgood-Schlatter ist eine seltene Entwicklungsstörung, die bei Jugendlichen zu schmerzhaften Entzündungen unterhalb des Knies führt. Am häufigsten tritt die Erkrankung bei Teenagern auf, die Sport treiben – geschätzt drei bis fünf Prozent dieser Bevölkerungsgruppe sind betroffen – und kann zu bleibenden Schäden des weichen Gewebes führen. Aktuell wird die Diagnose mittels Magnetresonanztomographie (MRT) erstellt, was jedoch sowohl kostspielig als auch unpraktisch für Screening-Zwecke ist.

 

Wir von der Abteilung für Sportmedizin der Charité wurden darum gebeten, einen allgemeinen Gesundheitscheck bei den vielversprechenden jungen Teilnehmern eines Förderprogrammes  durchzuführen und haben die Gelegenheit dazu genutzt, das Potenzial von POC-Ultraschall als Screening-Tool bei Spielern, die möglicherweise an Morbus Osgood-Schlatter leiden, genauer zu untersuchen. Ultraschall eignet sich hervorragend für diese Art von Screening-Untersuchungen, da er anders als andere bildgebende Verfahren schnell und kostengünstig ist und darüber hinaus praktisch überall angewendet werden kann. Ebenso wichtig ist dabei, dass Sportmedizinern nun tragbare und robuste POC-Ultraschallsysteme zur Verfügung stehen. Diese sind im Laufe der letzten fünf Jahre zu einer wichtigen Grundlage der sportmedizinischen Praxis geworden. Wir haben fast 400 Spieler im Alter von 12 bis 14 Jahren untersucht und bei sechs Jugendlichen Pathologien der Patellasehnen gefunden, die auf Morbus Osgood-Schlatter schließen lassen. Bei jedem einzelnen Fall konnten wir bis zu einem gewissen Grad eine Entzündung des Kniescheibenbandes an der Tuberositas tibiae feststellen, die später alle mittels Magnetresonanztomographie bestätigt wurden. Auch wenn dies nur eine erste Untersuchungsgrundlage darstellt – wir werden im Laufe des Jahres noch eine größere Studie durchführen – zeigen uns diese Ergebnisse, dass POC-Ultraschall gut für die Erkennung von Morbus Osgood-Schlatter geeignet ist.

 

Robuste POC-Ultraschallsysteme wie das FUJIFILM SonoSite Edge®-System, das wir bei dieser Studie verwendet haben, bieten eine bequeme und kostengünstige Alternative zum MRT bei den Screening-Verfahren und ich glaube, dass junge Spieler vieler laufintensiver Sportarten von dieser Herangehensweise profitieren können. Diese Studie ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie POC-Ultraschall unsere Herangehensweise an viele Verletzungen und sportmedizinische Erkrankungen verändert. Das Gerät wird zunehmend zu einem Muss, ist außerdem ideal für die Diagnose von Muskelrissen und Verletzungen des Weichgewebes und macht in vielen Fällen andere Verfahren überflüssig.

 

Wir haben unser erstes POC-System vor ungefähr fünf Jahren angeschafft und verwenden es inzwischen bei fast allen unseren Patienten. Auch die Wirksamkeit vieler therapeutischer Injektionen wird durch Ultraschallführung verbessert, insbesondere bei modernen Arzneimitteln wie thrombozytenreichem Plasma oder Hyaluronsäure. Um die Wirksamkeit dieser Behandlungen sicherzustellen, muss die Injektion sehr nah an der Verletzungsstelle erfolgen und mit Ultraschall kann die optimale Injektionsstelle dabei sicher und genau bestimmt werden. Dies stellt einen immensen Vorteil dar und in unserer Abteilung setzen wir über 90 Prozent aller Injektionen unter Ultraschallführung. Ob für Screening-Verfahren, bei der Diagnose oder direkt für die Behandlung, POC-Ultraschall ist ein ausgezeichnetes Gerät für die Sportmedizin, in der immer Druck herrscht - von Seiten der Patienten, ihrer Trainer und Physiotherapeuten - um schnellstmöglich Fragen zu beantworten und Ergebnisse zu liefern.

 

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