Ein zielgerichteter Ansatz in der Schmerztherapie

May 18, 2020

Point-of-Care Ultraschall (POCUS) spielt eine bedeutende Rolle bei der Schmerzbehandlung von Patienten weltweit. Dr. Victor Mayoral Rojals, Facharzt für Anästhesiologie und Leiter der Schmerzklinik am Universitätsklinikum Bellvitge in Barcelona, Spanien, spricht über die vielen Vorteile des Ultraschalls bei seiner täglichen Arbeit. 

Ich sammelte im Jahr 2005 erste Erfahrungen mit dem Einsatz von Point-of-Care Ultraschall bei der Schmerzbehandlung. Damals organisierte ich zusammen mit Dr. Xavier Sala-Blanch, einem Pionier auf dem Gebiet des Einsatzes von Ultraschall in der Anästhesie, den ersten Kongress der Katalanischen Gesellschaft für Anästhesie. Er demonstrierte zum ersten Mal den Zugang zum Plexus brachialis. Im Vergleich zu anderen bildgebenden Maßnahmen oder rein anatomischen Gesichtspunkten erkannte ich sofort die besonderen Möglichkeiten, die Ultraschall als Hilfsmittel für die verschiedenen, von uns in der Schmerzklinik verwendeten Infiltrations- und Radiofrequenztechniken bot.

Aufgrund der Fortschritte in der medizinischen Bildgebung haben sich die Möglichkeiten für den Einsatz von POCUS noch einmal erweitert. In den letzten acht Jahren haben wir am Institut Català d'Oncologia (ICO) – wo ich an zwei Tagen in der Woche arbeite – Ultraschall bei der Behandlung von onkologischen Schmerzen eingeführt. Wir setzen ihn bei mehr als der Hälfte der Patienten anstelle anderer bildgebender Verfahren ein. 

Den Schmerzen auf den Grund gehen

Wir wissen die Präzision, Schnelligkeit und Dynamik von POCUS wirklich zu schätzen, ganz gleich, ob wir einen Patienten mit nozizeptiven oder neuropathischen Schmerzen behandeln. Häufig haben wir zu Beginn eine gute Vorstellung davon, welche Struktur für die Schmerzen eines Patienten verantwortlich ist. Gestützt darauf verwenden wir Ultraschall und andere bildgebende Verfahren wie z. B. Röntgen, CT, Magnetresonanz und nuklearmedizinische Techniken, um diese Struktur zu untersuchen. Bei dem Verdacht einer neuropathischen Komponente untersuchen wir diese Struktur mitunter auch auf neurophysiologischer Ebene. 

In der Onkologie ist der Ultraschall besonders hilfreich, da sich aufgrund des Tumorwachstums die Anatomie offensichtlich verändert und die Möglichkeit besteht, dass seit der letzten MRT-Untersuchung noch weitere Änderungen aufgetreten sind. Kenntnisse der Schnittanatomie und Innervation von invasiven Tumoren und ihren Metastasen sind unerlässlich. Diese Nervenstrukturen lassen sich mit verschiedenen Medikamenten und Techniken behandeln. Oftmals findet dies nur unter Ultraschallführung statt, manchmal verwenden wir jedoch auch eine Kombination aus Ultraschall- und Röntgentechniken.
Röntgenaufnahmen zeigen uns zwar die Knochen, durch die der Nerv möglicherweise verläuft, jedoch können wir so weder den Nerv noch den Tumor klar erkennen. Mit dem MRT können wir alles sehen. Es liefert jedoch nur statische Bilder und zudem kann man nur die großen Rumpfnerven deutlich erkennen. Mit Ultraschall erhalten wir ein klares Bild von allen Strukturen in Bewegung.

Zielgerichtete Therapie

Nach Ermittlung der Schmerzursache entscheiden wir dann, ob ein Eingriff bei einem Patienten infrage kommt. Wir wenden häufig und mit gutem Erfolg eine Reihe von Techniken an, die von einfachen Kortisoninjektionen und Lokalanästhetika über die Infiltration von mit Blutplättchen angereichertem Blutplasma bis hin zu Neuromodulationsverfahren wie Radiofrequenz- und Neurostimulatoren reichen. Vor der Einführung von POCUS wurden viele dieser Techniken, insbesondere solche, die an Nerven durchgeführt wurden, mithilfe von Röntgenaufnahmen und Nervenstimulatoren durchgeführt. Es war ein langsameres, teureres Verfahren – mit allen Nachteilen, die der Einsatz ionisierender Strahlung mit sich bringt. Jetzt setzen wir auf POCUS, was einen wesentlich besseren und praktischeren Ansatz darstellt. Er liefert uns eine gute Bildqualität bei der Nadelführung sowie für zahlreiche automatisierte Prozesse, die dazu beitragen, das gesamte Verfahren schnell und präzise zu gestalten.

Von einer soliden Basis hin zu einer aufregenden Zukunft

Ich benutze die Sonosite-Systeme von Fujifilm seit 2007 und mag sie, weil es handliche Geräte mit übersichtlichen Schnittstellen sind, die sich schnell hochfahren lassen. Ihre Mobilität bedeutet auch, dass sie bei Bedarf leicht und effizient von einem Ort der Patientenversorgung zu einem anderen transportiert werden können. Das Unternehmen stand in Bezug auf POCUS von Anfang an an vorderster Front. Sonosite engagiert sich stark in der Weiterbildung, und wir sind sehr dankbar für die Unterstützung, die wir über die Jahre hinweg erhalten haben.

Mit unseren Sonosite-Systemen haben wir einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, wie schnell und einfach wir Untersuchungen durchführen und kritische Strukturen im Körper erkennen können; die Vorteile von POCUS können einen erheblichen Einfluss auf die Patientenversorgung haben. Es handelt sich um eine ausgezeichnete, nicht-invasive Technik, die Ärzten bei der Behandlung chronischer Schmerzen Vertrauen bei der Diagnose und der Nadelführung gibt und absolute Zuverlässigkeit bietet.

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