POCUS-Profil: Dr. Jens Döffert

November 29, 2018

Im Laufe der letzten Jahre konnten erhebliche Fortschritte in der ultraschallgeführten Regionalanästhesie erzielt werden, die sich mittlerweile zu einer der wichtigsten Techniken in der Schmerztherapie entwickelt hat.

Dr. Jens Döffert ist Chefarzt an der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin des Kreisklinikums Calw-Nagold, Deutschland, und erläutert in seinem Buch „Praxis der anästhesiologischen Sonografie: Interventionelle Verfahren bei Erwachsenen und Kindern (2. Auflage)“, das er gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Ralf Hillmann aus Stuttgart verfasst hat, die Entwicklungen in der Regionalanästhesie.

Dr. Döffert wendete ultraschallgeführte Anästhesieverfahren erstmals in seinen Anfängen als Oberarzt in einem Wirbelsäulenzentrum in Langensteinbach an. Im Jahr 2006 qualifizierte er sich als einer der ersten Anästhesisten zusammen mit Dr. Hillmann als Ausbilder für die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).

Während seiner beruflichen Laufbahn als Chefarzt in einer orthopädischen Fachklinik in Bad Wildbach und seit 2016 in einem größeren Umfang als Chefarzt in Calw legte Dr. Döffert seinen Schwerpunkt auf Verfahren der Regionalanästhesie. Obschon es sich bei Calw um ein relativ kleines allgemeines Bezirkskrankenhaus mit etwas weniger als 200 Betten handelt, steht Patienten ein umfangreiches orthopädisches Leistungsspektrum zur Verfügung – einschließlich eines Fachbereichs für Wirbelsäulenchirurgie.

Dr. Döffert arbeitet eng mit dem Team der Wirbelsäulenchirurgie am Kreisklinikum Calw zusammen, wobei er vor allem orthopädische und operative Patienten behandelt.

„Viele Patienten klagen über Rückenschmerzen. Ursachen dafür können Bandscheibenvorfälle oder eine Verengung des Spinalkanals sein. Sie können aber auch als unspezifische Schmerzen auftreten. Ultraschall ist meiner Meinung nach oft die praktischste und bequemste Art, einen Patienten unter Bildgebung zu untersuchen.Beim Röntgen muss man in einer bestimmten Position auf einem harten Tisch liegen, meist in einem kalten Raum, was für Patienten mit Rückenschmerzen besonders unangenehm ist und zusätzliche Schmerzen bereitet.

Viele Patienten haben auch Angst davor in einer CT-Röhre zu liegen. Bei einer Ultraschalluntersuchung kann ich Patienten direkt in ihren Krankenhausbetten scannen. Sie können sich selbst eine Position aussuchen, in der sie sich wohl fühlen, solange ich mit meiner Schallsonde die relevante Körperregion erreichen kann.“

 

„Ich kann Injektionen in die Iliosakralgelenke und an die Nervenwurzeln und Facettengelenke der Hals- und Lendenwirbelsäule verabreichen und eine Stellatumblockade vornehmen. Außerdem ist es so möglich, Beschwerden am M. piriformis zu behandeln und gegebenenfalls periphere Nervenblockaden durchführen.

Die ultraschallgeführte Regionalanästhesie hat in den letzten zehn Jahren enorme Entwicklungen durchgemacht. Besonders hervorzuheben ist dabei der Anstieg an Ultraschallanwendungen bei minimalinvasiven Eingriffen im Rahmen der Schmerztherapie, was nun auch in der 2. Auflage meines Buches berücksichtigt wird. Wir beschreiben darin mehrere neue Zugangswege wie die Transversus-Abdominis-Plane-Blockade und haben an manchen Stellen Änderungen des ursprünglich empfohlenen Verfahrens angebracht, z. B. beim supraklavikulären und interskalenären Zugang, wo wir nun lateral an den Plexus herangehen, um eine Betäubung des Nervus phrenicus zu vermeiden.

Die Vorteile der Ultraschallführung im Zuge dieser Blockaden und der Schmerztherapie bestehen darin, dass man die relevante Körperregion scannen und die gewünschte Injektionsstelle sehen und markieren kann. Die Injektion selbst dauert anschließend nur eine oder zwei Minuten. Es geht unglaublich schnell, da die Strukturen deutlich angezeigt werden und man, ungleich früher, häufig bereits beim ersten Versuch erfolgreich ist. Davon profitieren Patienten und Anästhesisten gleichermaßen.“

Mehr über Ultraschall in der Schmerztherapie

Im Januar 2016 rief das St. Joseph's Emergency Department die Initiative ALTOSM (ALternatives to Opioids) ins Leben, als sie eine Korrelation zwischen der Verschreibung von Opioiden und der Drogenepidemie in den USA feststellten. Im Rahmen des Programms werden zur Schmerzlinderung gezielt nichtopioide Analgetika, Triggerpunktinjektionen, Distickstoffoxid, ultraschallgeführte Nervenblockaden und sogar Meditation eingesetzt, wenn Patienten an akuten Verletzungen wie Knochenbrüchen und chronischen Problemen wie Migräne leiden.

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