Ultraschall-Richtlinien für den pädiatrischen Gefäßzugang

November 08, 2017

Das Legen von Zentralvenenkathetern ist mit über fünf Millionen Behandlungen pro Jahr in Krankenhäusern, eines der am häufigsten verwendeten invasiven Notaufnahmeverfahren. NICE-Richtlinien für das Legen von zentralvenösen Kathetern mithilfe einer Ultraschallführung bei Erwachsenen und Kindern wurden zum ersten Mal im Oktober 2002 im Vereinigten Königreich herausgegeben. Dr. James Bennett, Facharzt für Anästhesie am Kinderkrankenhaus in Birmingham, beschreibt, wie sich die Debatte seit diesem Zeitpunkt weiterentwickelt hat: Während man früher debattierte, ob Ultraschalluntersuchungen für Gefäßzugänge verwendet werden sollten, überlegt man sich heutzutage, welche sonstigen Informationen und Sicherheitsgarantien insbesondere im Bereich der Pädiatrie bereitgestellt werden können.

„Die Transplantationsstation am Kinderkrankenhaus in Birmingham – die derzeit Teil des Birmingham Women’s and Children’s NHS Foundation Trust ist – führt ungefähr 35 Leber- und 12 Nierentransplantationen pro Jahr durch, zu denen eine kleinere Anzahl von Darmtransplantationen hinzukommt, und ist eines von nur zwei Einrichtungen im Vereinigten Königreich, die diese Behandlungen durchführen. Kinder mit Erkrankungen der Leber und insbesondere mit Erkrankungen des Darms stellen eine besonders schwierige Gruppe im Hinblick auf den Gefäßzugang dar; viele haben einen erheblichen Teil ihres Darms verloren und wurden intravenös mit parenteraler Nahrung ernährt. Darüber hinaus haben sie möglicherweise eine Reihe von zentralen Venen, entweder infolge einer zuvor verwendeten Einführungstechnik oder einfach aufgrund der sich bereits über einen längeren Zeitraum in ihren Körpern befindlichen zentralen Venenkathetern verloren.“

 

„Im Laufe der vergangenen 15 Jahre hat sich die Point-of-Care (POC) Ultraschalltechnologie zu einem wichtigen Instrument zur schnellen und sicheren Unterstützung von Anästhesisten, sowie einer weiteren großen Anzahl von Fachkräften verschiedener klinischer Hintergründe, die derzeit regelmäßig Gefäßzugänge platzieren, entwickelt. Im Rahmen spezifischerer Pädiatriefachbereiche und insbesondere im Bereich der langfristigen venösen Zugänge, wie zum Beispiel den Hickman-Zugängen bei krebskranken Kindern, stellen formalisierte Schulungsprogramme jedoch noch eine gewisse Herausforderung dar.“

„Während im Bereich des zentralen venösen Zugangs derzeit beispielsweise ein Modul im Lehrplan für sich noch in der Ausbildung befindliche Anästhesisten angeboten wird, wird dem langfristigen Gefäßzugang nur sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die Sicherheit des zentralen venösen Zugangs ist ein besonderes Anliegen der Vereinigung für Anästhesisten, weswegen diese letztes Jahr ein Dokument herausbrachte, das Richtlinien im Bereich des Gefäßzugangs bereitstellt.“

„Inzwischen wird die POC Ultraschallführung am Kinderkrankenhaus in Birmingham standardmäßig für die Einführung von zentralen Venenkathetern und zunehmend auch für arterielle Zugänge und schwer durchzuführende periphere venöse Zugänge verwendet. Die Ultraschallführung spielt mittlerweile eine immer wichtigere Rolle im Bereich der Regionalanästhesie, zum Beispiel im Rahmen der TAP-(Transversus Abdominis Plane)-Blockade, um die Analgesie nach der Operation bei Kindern zu verbessern.“

„Die Ultraschallführungstechnologie ist insbesondere für das Gefäßzugangsteam das Werkzeug der Wahl, da dessen Praxis viele schwierige Fälle umfasst. Derzeit gibt es drei tragbare Systeme, die in der Abteilung verwendet werden, und die, obwohl sie nicht zu den aktuellsten Instrumenten auf dem Markt gehören, die jeweils erforderliche Bildqualität und Zuverlässigkeit bereitstellen. Es ist auch nützlich, dass sie klein und mobil sind, damit sie auf einfache Art und Weise bewegt werden können, und um die vielen Ausrüstungsgeräte, die sich normalerweise in Operationssälen befinden, herum manövriert werden können.“

„In Wirklichkeit lassen sich die meisten Gefäßzugangseinführungen mithilfe einer Echtzeit-Ultraschallführung erstaunlich einfach durchführen, denn es ist in der Tat so, dass der Zugang zur Vene sehr selten ein limitierender Zeitfaktor ist, insofern es sich nicht um einen besonders schwierigen Fall handelt. Der entscheidende Vorteil ist natürlich die Sicherheit; denn damit wird eine schnelle Identifizierung eines geeigneten Gefäßes und die darauffolgende Einführung der Kanülennadel darin bei gleichzeitiger Umgehung sonstiger Strukturen ermöglicht. Folglich werden die meisten dieser Verfahren im ersten Durchlauf und ohne Komplikationen durchgeführt. Es stellt somit eine rein technische Übung dar: Es geht einfach nur darum, die Nadel in die Vene einzuführen, nicht mehr und auch nicht weniger.“

„Die etwas fortgeschritteneren Fertigkeiten kommen lediglich in schwierigen Fällen zum Einsatz, wenn die POC Ultraschalltechnologie zeigt, was sie wirklich kann. Die Bildgebung der Ultraschalltechnologie ist nicht nur in der Lage, blockierte oder schmale Venen, sondern auch zusätzliche und anomale Gefäße aufzuzeigen. Sie spart oft Zeit, da eine blockierte Vene damit klar abgebildet wird, und somit eine andere Zugangsstelle ausgewählt werden kann. Die Verwendung der Doppler-Ultraschalltechnologie ermöglicht auch die Beurteilung der Strömung innerhalb der Gefäße.“

„Die POC Ultraschalltechnologie bietet mehr als nur die Führung einer Nadel in eine Vene; sie stellt zudem auch Informationen über die vaskuläre Anatomie zur Verfügung, die erforderlich sind, um einen sicheren Gefäßzugang zu legen.“

 

Erlernen Sie den Umgang mit Ultraschalltechnologie für den zentralen venösen Zugang am Krankenbett

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