POCUS-Profil: Dr. Xavier Sala-Blanch

June 08, 2018

Point-of-Care-Ultraschall spielt eine wichtige Rolle in der Anästhesie-Abteilung des Hospital Clínic de Barcelona in Spanien. Dr. Xavier Sala-Blanch ist leitender Arzt und Referatsleiter in der Abteilung für Anästhesiologie und Reanimation des Krankenhauses und außerordentlicher Professor für Anatomie in der medizinischen Fakultät an der Universität Barcelona. Er spricht darüber, wie der Einsatz von Ultraschalltechnologie in den letzten Jahren zugenommen hat und welche Vorteile es für Klinikärzte und Patienten zu bieten hat.

"Die Universitätsklinik in Barcelona ist ein Ebene-drei-Krankenhaus mit 800 Betten. Es versorgt rund 300.000 Menschen im direkten Umkreis und bei Spezialfällen in einer breiteren geografischen Region. Es liegt direkt im Stadtzentrum und bietet Notfallversorgung, medizinische Spezialbehandlungen und chirurgische Behandlungen. Im Jahr werden etwa 150.000 bis 180.000 Notfälle behandelt und etwa 16.000 chirurgische Eingriffe durchgeführt. Durch die Nähe zwischen der medizinischen Fakultät der Universität und dem Hospital Clínic ist eine enge Beziehung und eine wichtige Symbiose für Ausbildung, Forschung und Innovation entstanden.

Mein Interesse an Ultraschall und seiner Anwendung für die Anästhesie begann 1998 – vor fast 20 Jahren. Damals habe ich einige Veröffentlichungen einer Gruppe aus Österreich zu diesem Thema gelesen. Ein Jahr später begann ich damit, selbst bei der Regionalanästhesie Ultraschall einzusetzen. Das Interesse an dieser neuartigen Technik war damals jedoch doch gering, und es gab kaum Ausbildungsangebote. Ich konnte das zukünftige Potenzial dieser Technik sehen, und die breiten anatomischen Kenntnisse, die ich in der Abteilung für Anatomie erworben hatte, waren für mich von großem Wert. Ich war im Wesentlichen Autodidakt und setzte immer das Gerät ein, das im jeweiligen Krankenhaus vorhanden war. So arbeitete ich bis 2004, dann schaffte ich mir mein erstes Point-of-Care-Ultraschallsystem an, ein FUJIFILM SonoSite 180 Plus. Das Geld dafür stammte aus den verschiedenen Kursen über Regionalanästhesie, die ich gegeben hatte.

Ich habe SonoSite während einer USA-Reise kennengelernt. Mir fiel die Werbung des Unternehmens auf, und als ich im Internet suchte, stellte ich fest, dass es einen SonoSite-Vertreter in Terrassa gibt, ganz in der Nähe von Barcelona. Ich nahm Kontakt mit ihm auf, und seitdem haben wir gemeinsam daran gearbeitet, die Ultraschall-geführte Regionalanästhesie in Spanien voranzubringen. So konnten wir in Spanien in etwas geregelterer Form Ultraschallschulungen anbieten, vor allem in Katalonien, und das tun wir heute noch.

 

Wir haben außerdem an der Autonomen Universität Barcelona einen Vollzeit-Masterstudiengang in „Erweiterten medizinischen Kompetenzen für Regionalanästhesie auf anatomischer Grundlage“ eingerichtet, der seit mehr als sechs Jahren gegeben und regelmäßig von Anästhesisten aus Spanien und Südamerika besucht wird. Die Einrichtung guter Ultraschall-Schulungsprogramme hat dazu geführt, dass die Nutzung der Regionalanästhesie in der gesamten Region deutlich zugenommen hat.

Momentan haben wir eine Reihe von SonoSite-Systemen – ein MicroMaxx, ein S-Nerve und drei M-Turbos – in der Abteilung. Diese wurden wegen ihrer Robustheit, Benutzerfreundlichkeit und Bildqualität angeschafft. Diese Überlegungen spielen alle eine wichtige Rolle. Wir arbeiten in einem Umfeld, in dem Ultraschallsysteme von vielen Personen ausgiebig genutzt und daher leicht beschädigt werden können.

Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass diese Systeme sehr langlebig sind. Dies verschafft uns, neben der Fünf-Jahres-Garantie und dem technischen Support des Unternehmens, mehr Sicherheit. Die Bildqualität ist sehr gut, der hervorragende Kontrast liefert ein klares Bild, selbst in hell beleuchteten Umgebungen. Vor Kurzem haben wir ein SonoSite Edge II zusätzlich angeschafft, das eine exzellente Bildqualität aufweist. Außerdem habe ich das X-Porte im Unterricht eingesetzt. Seine Bildqualität ist zweifellos hervorragend.

Der Einsatz von Ultraschall für regionale Nervenblockaden und eine breite Palette weiterer Anwendungen ist jetzt voll etabliert. Heute wird Ultraschall in der Regionalanästhesie zur Identifizierung von Nervenstrukturen eingesetzt, und nur sehr wenige Zentren in Spanien haben noch kein Ultraschallsystem dafür. Mit Ultraschall können wir die internen Strukturen des Körpers visualisieren, um die Positionierung der Nervenblockade zu steuern. Das Risiko technischer Komplikationen ist minimal.

Auch wenn alles mit Regionalanästhesie und ultraschallgeführten interventionellen Verfahren angefangen hat, der Einsatz von Point-of-Care-Ultraschall ist inzwischen in unserem Spezialgebiet und in vielen anderen verbreitet, darunter den Bereichen Reanimation (pulmonal und kardial), post-anästhetische Erholung, Traumabehandlung (FAST) usw.

Ultraschall ist auch nützlich für perioperative Entscheidungsfindung, zum Beispiel durch die Untersuchung des Mageninhalts. Auch für die Patienten hat es Vorteile. Sie können das Bild selbst sehen und wir können ihnen Diagnosen oder Verfahren erläutern. Patienten wissen dies zu schätzen und gewinnen dadurch an Zutrauen."

 

Mehr über Ultraschall und Regionalanästhesie

Der Einsatz von Ultraschall zur Steuerung der Regionalanästhesie findet in der medizinischen Forschung immer breitere Unterstützung. So wurde zum Beispiel gezeigt, dass Ultraschallführung im Vergleich zu peripherer Nervenstimulation ein signifikant geringeres Risiko einer Gefäßpunktion aufweist (Risikoverhältnis von 0,16); dass die Nervenblockade 25 % länger dauert und dass sie 29 % schneller einsetzt1. Mehr über POCUS-geführte Regionalanästhesie finden Sie hier auf unserer Spezialseite zur Anästhesie.

1Abrahams MS, Aziz MF, et al. Ultrasound guidance compared with electrical neurostimulation for peripheral nerve block: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Br J Anaesth. 2009;102(3):408-17.

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