POCUS-Profil: Dr. Frances Chow

September 19, 2018

Anästhesistin Dr. Frances Chow arbeitet darauf hin, ultraschallgeführte Nervenblockaden an der British Columbia Cancer Agency, Vancouver, BC, Kanada, einzuführen. Die British Columbia Cancer Agency verzeichnet einige der weltweit besten Ergebnisse im Bereich der Krebsbehandlung, darunter die besten Ergebnisse unter den G7-Ländern für Leukämie im Kindesalter und die zweithöchsten Überlebensraten unter 67 Ländern bei Prostata- und Brustkrebs.[1]

BC Cancer deckt das gesamte Spektrum der Krebsbehandlung ab – von der Prävention und dem Screening über die Diagnose und Behandlung bis hin zur Rehabilitation. Die Agency unterhält sechs regionale Krebszentren, deren Hauptziele die Bestimmung von Krebsursachen und die Gewährleistung einer besseren Lebensqualität für Patienten sind. Dieses Bestreben nach einer Verbesserung der Patientenversorgung und der Behandlungsergebnisse bewegte Dr. Chow dazu, sich auf die Suche nach neuen Methoden für die Schmerzbehandlung und die chirurgische Anästhesie zu machen. Unter anderem ließ Dr. Chow sich auch in ultraschallgeführten Nervenblockaden mit FUJIFILM SonoSite schulen.

Nach Abschluss des Trainings unterbreitete Dr. Chow dem chirurgischen Onkologieteam der BC Cancer ihren Vorschlag, Pectoralis-Blocks (PECS-Blockaden) bei Patienten zu verwenden, die eine herkömmliche Anästhesie wegen medizinischer Begleiterkrankungen und einem potenziell höheren Risiko für Komplikationen nicht tolerieren können. Dr. Chow führte danach eine klinische Studie durch, um die Vorteile der Verwendung von PECS-Blockaden gegenüber der Allgemeinanästhesie zu bewerten sowie die Verwendung von Opioiden zur Schmerzbekämpfung und die Morbidität im Zusammenhang mit einer Allgemeinanästhesie zu reduzieren. Dr. Chow ging davon aus, dass diese Blockaden die Patientenerfahrung verbessern, den Einsatz von Opioiden verringern und eine alternative Lösung für Patienten mit hohem Risiko bieten könnten.

Nach der Verwendung von PECS-Blockaden in mehr als 200 Fällen begann das chirurgische Onkologieteam auch Blockaden für Patienten anzufragen, die zwar keine medizinischen Begleiterkrankungen aufwiesen, für die man allerdings eine optimale Schmerzreduzierung erreichen oder die Nebenwirkungen der Allgemeinanästhesie vermeiden wollte.

Dr. Chow erweitert derzeit ihren Einsatz von ultraschallgeführten Nervenblockaden in anderen chirurgischen Bereichen. Sie führt nun auch Blockaden bei Operationen wie Lymphknoten-Biopsien, Tumor-Exzisionen in den Gliedmaßen und den Rumpf- und Becken-Regionen sowie bei Brachytherapien für Genitalkrebs durch.

Im September 2016 gründete Dr. Chow das Regional Anesthesia Block Program in der Vancouver BCCA Surgical Oncology Suite.

Ultraschallgeführte regionale Blockaden eignen sich für den klinischen Einsatz zur Schmerzbekämpfung bei chirurgischen Patienten. Sie reduzieren die Arbeitsbelastung im Aufwachraum, da unsere Patienten während oder nach der Operation wenig bzw. keine Betäubungsmittel zur Schmerztherapie benötigen. So können wir die Sedierung reduzieren, was zu weniger Übelkeit und Erbrechen führt.

Ich hatte vor Kurzem eine übergewichtige 80-jährige Patientin, bei der wir die diagnostische Entfernung einer Raumforderung in der linken Achselhöhle durchführen wollten. Sie stellte sich mit Schlafapnoe, MI, A.fib, IDDM, erhöhtem BMI – 37, Bluthochdruck und Lymphom vor. Es war keine sichere Option, in einer chirurgischen Tagesklinik wie der BCCA eine Allgemeinanästhesie durchzuführen. Wir führten die Entnahme mithilfe einer regionalen PECS-Blockade durch. Dank der hervorragenden chirurgischen Bedingungen – Schmerzen traten weder während noch nach der Operation auf, keine Komplikationen in den Bereichen Chirurgie und Anästhesie – konnte die Patientin am gleichen Tag entlassen werden. Nachsorge – keine Schmerzen 23 Stunden nach der Operation, nach Entlassung keine Analgetika erforderlich. Ohne das SonoSite-Ultraschallsystem hätten wir diese Blockade nicht durchführen können.

Eine andere, ebenfalls übergewichtige Patientin, die einen BMI von 45, OSA, Hypertonie und restriktiver Lungenfunktion mit Brustkrebs aufwies; es waren Lumpektomien mit feinem Markierungsdraht erforderlich. Ich entschied mich erneut für eine PECS-Blockade anstatt einer Allgemeinanästhesie, und konnte dadurch die Notwendigkeit einer postoperativen Beatmungshilfe und eines stationären Aufenthalts der Patientin vermeiden.

Während meiner klinischen Studie fand ich heraus, dass durch die Verwendung von SonoSite-Ultraschallsystemen für regionale Nervenblockaden Folgendes möglich ist:

  • Chirurgische Anästhesie für medizinisch komplexe Patienten, die eine chirurgische Diagnose oder Behandlung von Krebs benötigen
  • Gute bis ausgezeichnete perioperative Schmerzlinderung; oft benötigen Patienten keine postoperativen Analgetika
  • Patienten mussten weniger Opioide (oder keine Opioide) für postoperative Schmerzen verschrieben werden
  • Vermeidung von übermäßiger postoperativer Sedierung von und Hypoventilation bei Patienten
  • Verringerte Zeiten bis zur völligen Bewusstseinswiedererlangung nach der Operation und Entlassungskriterien mit schnellerer Wiederaufnahme der Mobilität
  • Verbesserte Lungenfunktion und keine Atelektase während des Genesungsprozesses
  • Entlassung der Patienten am gleichen Tag, keine Fälle von unvorhergesehenen stationären Aufenthalten (nur geplante Aufnahmen), zum Beispiel Mastektomie

In den meisten Fällen kann ich eine ultraschallgeführte PECS-Blockade innerhalb von 6–10 Minuten durchführen – vom ersten Aufsetzen der Sonde bis zur Abnahme der Sonde.

Unsere Zeitersparnis rührt daher, dass die Induktionszeit im OP und die Aufwachzeit wegfallen. Die Krankenschwestern können den Patienten vor der OP vorbereiten, dann nehme ich die regionale Nervenblockade vor, die Anästhesie wird durchgeführt, und der Patient ist bereit für die Operation.

Meine Patienten haben gute Erfahrungen mit der postoperativen Schmerzlinderung gemacht. Vancouver BCCA empfängt Patienten aus ganz Kanada. Unsere auswärtigen Patienten sagen, dass sie innerhalb von Stunden nach der Operation sogar per Flugzeug, Fähre oder Auto ganz ohne Schmerzen, Übelkeit oder Erbrechen den Heimweg antreten können.

Chirurgen und Pflegepersonal freuen sich über die erhöhte Effizienz und Zeitersparnis. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass die Chirurgen und das Pflegepersonal ultraschallgeführte regionale Blockaden für die Patientenversorgung unterstützen.

Ich kann mir die Anästhesie in der Praxis ohne ultraschallgeführte regionale Blockaden gar nicht vorstellen; sie sind das Anästhesieverfahren meiner Wahl für medizinisch komplizierte Patienten, die einen chirurgischen Eingriff in der Tagesklinik benötigen.

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