Sieben Strategien für die Einbindung von POCUS an einer medizinischen Fakultät

July 20, 2017

Dr. Peter Steinmetz hatte sich das folgende Ziel gesetzt: Medizinstudenten der McGill University sollten bei Abschluss ihres Studiums kompetent in der Handhabung des Point-of-Care Ultraschalls sein. Bei diesem Vorhaben galt es allerdings einige Hürden zu bewältigen – wie zum Beispiel die Tatsache, dass der Lehrplan der Studierenden bereits völlig ausgelastet war.

Dr. Steinmetz' erste Aufgabe bestand also darin, den Prüfungsausschuss von der Wichtigkeit praktischer Ultraschallkenntnisse bei zukünftigen Klinikärzten zu überzeugen. „Ein wichtiges Argument ist, dass Ultraschall heutzutage von Klinikärzten auf der ganzen Welt verwendet wird. Als Studieninhalt ist die Ultraschallschulung eine gute Ergänzung zur Lehre der Anatomie und der Durchführung körperlicher Untersuchungen.“, erklärt Dr. Steinmetz. „Man muss nur belegen, dass Medizinstudenten die nötigen Praxiskenntnisse auf effektive Weise erlangen werden, um POCUS im klinischen Bereich einsetzen zu können.“

Im Folgenden teilt Dr. Steinmetz mit uns nützliche Strategien zur Einbindung eines Ultraschalllehrprogramms in einen vierjährigen grundständiges Medizinstudium. Zudem erklärt er, wie man sich für dieses Vorhaben die Unterstützung der Fakultätsleitung sichert.

 

1. Erklären Sie, wieso ein frühzeitiges Training von POCUS zu besseren klinischen Ergebnissen führt.

Medizinische Studien zeigen, dass Medizinstudenten unter Verwendung von POCUS Herzfehler präziser und Pleuraergüsse besser diagnostizieren konnten. Daher ist es von Vorteil, Studierenden POCUS bereits an der Fakultät beizubringen, anstatt damit bis zur Weiterbildung zu warten.

2. Belegen Sie, dass durch die Aufnahme von POCUS in das Lehrprogramm der Arbeitsaufwand für Studierende nicht größer wird.

Der medizinische Lehrplan an der McGill University ist darauf ausgerichtet, präzise klinische Fragestellungen zu thematisieren. Mithilfe von Ultraschall erhält ein behandelnder Arzt zusätzliche klinische Informationen. In dem Zusammenhang konnten wir beweisen, dass durch die POCUS-Praxis in bestimmten klinischen Bereichen des Lehrprogramms der Studienplan verbessert werden konnte. Es ist daher nicht nötig, zusätzliche Zeit für die POCUS-Schulung aufzuwenden oder einzuplanen.

3. Implementieren Sie eine Infrastruktur, durch die das Programm langfristig erfolgreich sein kann.

An der McGill University richteten wir in einem bestehenden Simulationszentrum acht POCUS-Systeme ein, die wir mithilfe einer Spende eines Wohltäters kaufen konnten. Suchen Sie innerhalb Ihrer Universitätsgemeinschaft nach Personen, die POCUS an Ihrer Fakultät fördern möchten und eine entsprechende Lehrinfrastruktur (Systeme, Simulationszentrum, CME, usw.) finanziell unterstützen können.

4. Versuchen Sie, die nötigen finanziellen Ressourcen aufzubringen, um qualifizierte POCUS-Ausbilder und Support-Personal zu beauftragen.

Veranschlagen Sie ein ausreichend umfangreiches Budget, um kompetente POCUS-Ausbilder für Ihre Fakultät zu gewinnen. Stellen Sie ein flexibles Team aus Ausbildern zusammen. Es sollte sowohl zertifizierte Ausbilder als auch Lehrende/Assistenzärzte umfassen. Besonders eignen sich dafür Ärzte aus der Notfall- und Familienmedizin – denn in diesen Bereichen wird POCUS bereits standardmäßig eingesetzt.

5. Sammeln Sie Daten und Fakten, mit denen Sie die Effektivität Ihrer POCUS-Initiative belegen können.

Beschäftigen Sie sich intensiv mit den Vorteilen von POCUS (Sicherheit, bessere klinische Ergebnisse). Sie sollten relevante Literatur dazu recherchieren, wer wieso und wie unterrichtet, ob Medizinstudenten durch POCUS-Schulungen höhere Präzision bei der klinischen Beurteilung aufweisen, usw.

6. Legen Sie den Schwerpunkt darauf, POCUS zur Verbesserung der klinischen Fähigkeiten der Studierenden einzusetzen.

Ihr POCUS-Programm sollte sich nahtlos in den Lehrplan des Grundstudiums einfügen. Es sollte realistisch umsetzbar und präzise definiert sein. Formulieren Sie eine klare Zielsetzung für einführendes Lehrmaterial, Beurteilungsverfahren, Lehrbücher, Videos, usw. Alle Lehrmaterialien sollten gut aufeinander abgestimmt sein.

7. Suchen Sie nach Möglichkeiten, wie Sie Ihre POCUS-Schulung noch verbessern können.

Finden Sie heraus, ob die Studierenden von dem Programm profitieren, und ob sie die gewünschten Fähigkeiten erlernen und beibehalten. Zögern Sie nicht, Änderungen am Programm vorzunehmen, sollten sich Teile davon als ineffektiv erweisen.

 

Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie in Dr. Steinmetz' Webinar mit dem Titel „4-jähriger Lehrplan für das Ultraschall-Grundstudium“.

In Vorbereitung auf den World Congress of Ultrasound in Medical Education möchten wir gemeinsam mit dem Team von WCUME Gesundheitsdienstleistern und Medizinstudenten zeigen, wie sie Ultraschall bei klinische Verfahren einsetzen können. Dr. Steinmetz erklärt in diesem SonoSite-Webinar, wie Ultraschall in einen bereits vollen Lehrplan integriert werden kann, wie eine Fakultät umgestaltet und Ressourcen entwickelt werden können, um den Ultraschalllehrplan im Rahmen eines 4-jährigen Grundstudiums zu unterstützen.

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