Acht Wege, Komplikationen bei der ZVK-Legung zu vermeiden

September 01, 2016

Komplikationen beim Legen von zentralen Venenkathetern sind riskant, kostspielig und stellen generell eine Belastung für das Gesundheitssystem dar. Egal, ob es sich um Bakteriämien oder einen iatrogenen Pneumothorax handelt, ZVK-Komplikationen sind nicht nur bedrohlich für den Patienten und belastend für den Arzt, sondern darüber hinaus mit erheblichen Kosten für die Versorgungseinrichtung verbunden.

Glücklicherweise gibt es bewährte Methoden, mit denen sich die Komplikationsraten (und die damit verbundenen Kosten) für schwerkranke Patienten, die einen Venenkatheter benötigen, erheblich reduzieren lassen.

1.        Verwenden Sie nach Möglichkeit einen ultraschallgestützten PVK

Die sicherste Methode, es nicht zu ZVK-Komplikationen kommen zu lassen, besteht darin, erst gar keine ZVKs zu legen. ZVKs sollten nur bei medizinischer Indikation verwendet werden bzw. falls andere Optionen für den Gefäßzugang nicht erfolgreich waren. Bei einigen Patienten ist es aufgrund von Adipositas, Drogensucht, Dehydrierung oder anderen Gesundheitsproblemen gar nicht so einfach, „eine Vene zu finden“. Durch Studien konnte jedoch nachgewiesen werden, dass das Legen eines zentralen Venenkatheters bei bis zu 85 % der schwerkranken Patienten mit Gefäßzugangsproblemen durch das Legen eines PVK mit Ultraschallführung (im Gegensatz zum Orientierungspunktverfahren) vermieden werden kann.

2.        Verwenden Sie eine ZVK-Checkliste

Viele Krankenhäuser haben Erfahrungen mit Checklisten zur Operationsvorbereitung gemacht, da diese ursprünglich beim Legen von ZVKs getestet wurden und von der Weltgesundheitsorganisation und dem staatlichen Gesundheitsdienst in Großbritannien empfohlen werden. Durch ein geeignetes, an die lokalen Umstände angepasstes Prüflistenprotokoll für die Einführung von ZVKs kann sichergestellt werden, dass es zu weniger Komplikationen kommt und alle Beteiligten die vorgeschriebenen Verfahren einhalten.

3.        Wählen Sie die geeignete Einstichstelle

Um das Risiko von Infektionen und anderen Komplikationen beim Legen von ZVKs so gering wie möglich zu halten, gilt es, die optimale Zugangsstelle für den ZVK auszuwählen. Ausschlaggebend hierfür sind u. a. Alter, Gesundheitszustand, Körperbau, Krankengeschichte, erwartete Zugangsdauer und Infektionsrisiko.

4.        Achten Sie auf Handhygiene 

Es mag sich dabei um bekannte Standardvorschriften handeln, aber würden sie konsequent eingehalten, dann käme es in den USA nicht jedes Jahr zu 250.000 Fällen von Bakteriämie. Halten Sie sich genau an die Vorschriften für Handhygiene, bevor Sie mit dem Legen des ZVKs beginnen.

5.        Verwenden Sie Sterilbarrieren

Verwenden Sie möglichst viele Sterilbarrieren, z. B. Handschuhe, Masken, Hauben, Kittel und Abdecktücher, wenn Sie einen Zentralkatheter legen.

6.        Halten Sie aseptische Verfahren ein

  • Führen Sie eine Hautdesinfektion durch und reinigen Sie den Katheterzugang unmittelbar vor Gebrauch mit einem geeigneten Desinfektionsmittel
  • Nutzen Sie Katheter nur mit sterilen Geräten
  • Decken Sie die Einstichstelle mit sterilen, transparenten, semipermeablen Wundauflagen ab
  • Wenden Sie beim Wechseln von beeinträchtigten oder verschmutzten Verbandmitteln die aseptische Methode an
  • Alternativ können Sie auch antiseptisch imprägnierte Materialien verwenden

7.        Legen Sie ZVKs mit Ultraschallführung

Zentrale Venenkatheter werden in den USA jährlich mehr als 5 Millionen Mal gelegt, wobei Komplikationsraten von bis zu 15 % entstehen, wenn die Nadel nur mithilfe der Orientierungspunkt-Methode eingeführt wird (Feller-Kopman 2007).

In einer 2011 durchgeführten RCT-Studie zu ZVKs, die in der Vena subclavia gelegt wurden, kam es bei Patienten, deren Katheter „blind“ (mithilfe der Orientierungspunkt-Methode) eingeführt wurde, in 4,8 % der Fälle zu einem Pneumothorax. Vergleichen Sie diesen Wert mit dem von ZVKs, die mit Echtzeit-Ultraschallführung gelegt werden: Bei diesen Patienten lag die Pneumothorax-Rate bei 0 % (Fragou 2011). Dieselbe Komplikationsrate von 0 % wurde auch im Rahmen einer RCT-Studie mit 900 Intensivpatienten beobachtet, bei denen Katheter mit Ultraschallführung in die Vena jugularis gelegt wurden, verglichen mit einer Komplikationsrate von 2,4 % bei der Orientierungspunkt-Methode. Außerdem konnte durch Nutzung der Ultraschallmethode die Anzahl der unbeabsichtigten Punktierungen der Halsschlagader im Vergleich zur Orientierungspunkt-Methode auf ein Zehntel reduziert werden (Karakitsos 2006).

8.        Unnötige Katheter umgehend ziehen

Die Notwendigkeit von ZVKs sollte fortlaufend geprüft werden; nicht mehr benötigte Katheter sind umgehend zu entfernen. Diese Art der täglichen Prüfung kann bei Visiten oder Schichtübergaben vorgenommen werden.

Wurde eine dieser Methoden oder Verfahren beim Legen von ZVKs in Ihrem Krankenhaus oder Ihrer Einrichtung schon einmal angewandt? Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen!

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