Innovative schottische Initiative stattet Krankenwagen mit POCUS aus

November 07, 2017

Die POC-Ultraschallsysteme (POC: Point-of-Care) M-Turbo von FUJIFILM SonoSite sollen im Rahmen der innovativen klinischen Studie SatCare demnächst in den schottischen Highlands zur präklinischen Diagnostik eingesetzt werden. Ziel der Studie ist es, POC-Ultraschall und fortschrittliche Kommunikationsansätze zu kombinieren, um Auswertungen von Ultraschallbildern sowie Entscheidungsfindungen aus der Ferne unter verschiedenen zeitkritischen Bedingungen zu ermöglichen.

Die stetige Weiterentwicklung von mobilen Highspeed-Datennetzen hat die Landschaft der Telemedizin – das heißt die Ferndiagnose und -behandlung – weitgehend verändert und zu verbesserten Krankheitsverläufen bei einer Vielzahl von Erkrankungen geführt. Auf der anderen Seite setzen viele der derzeit verfügbaren Telemedizin-Lösungen auf gewerbliche 3G- und 4G-Mobilfunk-Technologien, wodurch sie in ländlichen Regionen und Gebieten mit geringer Mobilfunknetzabdeckung nur wenig sinnvoll sind.

 

„SatCare soll dieses Problem durch eine Kombination von POCUS-Systemen mit Satellitenkommunikation lösen. So sollen die schnelle Durchführung von Sonografien sowie Ferndiagnosen in abgelegenen Gebieten ohne direkte Sekundärversorgungsmöglichkeiten vor Ort ermöglicht werden.”

Im Rahmen des kollaborativen Projekts, das vom Centre for Rural Health der University of Aberdeen koordiniert und von der European Space Agency finanziert wird, sollen insgesamt fünf Krankenwagen mit M-Turbo-Systemen von FUJIFILM SonoSite sowie maßgefertigten mobilen Satellitenkommunikations-Systemen von ViaSat ausgestattet werden.

Laut Dr. Leila Eadie, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centre for Rural Health der Universität, gelten POC-Ultraschallsysteme heute allgemein als unentbehrliches Hilfsmittel für die Notfallversorgung in Krankenhäusern.

„Wir möchten einige dieser Vorteile auf Unglücksorte ausweiten, an denen medizinische Notfallversorgung notwendig ist”, erklärt Dr. Eadie. „Obwohl der präklinische Einsatz von Ultraschallsystemen nichts Neues ist, belegen frühere Studien, dass das größte Hindernis für ihre effektive Nutzung die Interpretation von Ultraschallbildern ist.”

„Auf der anderen Seite können Nutzer schon nach minimalem Schulungsaufwand effektiv Ultraschallbilder aufnehmen, und dank SatCare werden Experten in der Lage sein, von Sanitätern* gemachte Aufnahmen aus der Ferne auszuwerten. Das Projekt zielt darauf ab, die möglichen Vorteile zu maximieren, ohne dass Sanitäter und Rettungshelfer ausführliche Ausbildungen absolvieren müssen, um erfolgreich Sonographien durchzuführen.”

„In Zusammenarbeit mit dem Scottish Ambulance Service bringen wir Sanitätern von fünf Unfallstationen in unterschiedlichen Gebieten der Highlands bei, vorgegebene Ultraschalluntersuchungen durchzuführen, die eine effektive Diagnose einer Reihe kritischer Patientenzustände begünstigen”, so Dr. Eadie.

„Die Bilder werden in Echtzeit an einen erfahrenen Notfallarzt des Raigmore Hospital weitergeleitet – das wichtigste tertiäre Krankenhaus der Highlands – und von diesem ausgewertet. Der Arzt erhält darüber hinaus eine Videozusammenfassung des Zustands des Patienten und gegebenenfalls Informationen zu dessen Krankengeschichte.So müssen die Bilder nicht vom Ambulanzpersonal ausgewertet werden und Ärzte können aus der Ferne Entscheidungen zum passenden Behandlungsansatz treffen, wodurch eine bessere präklinische Patientenversorgung gewährleistet wird”, fährt Dr. Eadie fort.

„Das Potenzial dieses Ansatzes wurde bereits im Rahmen einer früheren Projektstudie nachgewiesen. Das Projekt Satellite Ultrasound for Rural Stroke (SURS) kombinierte POC-Ultraschall mit fortgeschrittenen Telekommunikationssystemen, um so direkt vor Ort eine schnelle, frühzeitige Einschätzung des Zustands von Schlaganfall-Patienten treffen zu können.”

Dr. Luke Regan, Berater in der Notfallmedizin am Raigmore Hospital, fasst die potenziellen klinischen Vorteile dieses Ansatzes folgendermaßen zusammen:

„Bei der präklinischen Notfallmedizin geht es um die Abwägung von Risiken und Vorteilen, häufig in zeitkritischen Situationen. Unsere Absicht ist es, direkte Entsprechungen einiger der diagnostischen Ultraschall-Algorithmen zu entwickeln, die bereits in Notaufnahmen zum Einsatz kommen – etwa bei Patienten im Schockzustand oder mit Unterleibsschmerzen – und diese in präklinischen Situationen anzuwenden.”

"Wir haben beschlossen, uns bei dieser Studie auf eine Reihe von potenziell lebensbedrohlichen Zuständen zu konzentrieren – schwere Traumata, Schmerzen im Brustbereich, Kurzatmigkeit, Schmerzen im Unterleib und hämodynamische Schockzustände –, bei denen genauere frühzeitige Diagnosen von Vorteil sein könnten”, fügt Dr. Regan hinzu.

„Beispielsweise könnte schwere Atemnot auf ein Lungenödem, eine Lungenentzündung, einen Pneumothorax, eine COPD oder eine Rechtsherzinsuffizienz hindeuten. Der Versuch, alleine auf Basis des klinischen Erscheinungsbilds den passenden Behandlungsansatz zu bestimmen, kann zu falschen oder unwirksamen Lösungsansätzen führen. Führt man jedoch eine Ultraschalluntersuchung direkt vor Ort durch, um die Aufnahmen anschließend von einer Fachperson im Krankenhaus auswerten zu lassen, verfügt das Ambulanzpersonal über ein viel aussagekräftigeres Gesamtbild des Zustands von Patienten und kann die entsprechenden Maßnahmen ergreifen – noch bevor Patienten im Krankenhaus ankommen.”

 

 

„Die zusätzlichen Informationen, die diese Untersuchungen liefern, können außerdem zu einer besseren Betreuung von Patienten im Krankenhaus beitragen. Beispielsweise könnte die erkrankte Person an ein Fachzentrum übergeben werden oder direkt ins Katheterlabor oder den OP-Saal gebracht werden, ohne dass bei ihrer Ankunft eine Triage und Ersteinschätzung nötig wären. Je mehr wir vor der Ankunft von Patienten über deren Zustand wissen, umso besser können wir die geeigneten Ressourcen – Chirurgen, Gynäkologen, Blutprodukte usw. – vorbereiten, um eine möglichst gezielte Behandlung zu gewährleisten.

„Die Wahl des passenden POC-Ultraschallsystems ist entscheidend für den Erfolg dieser Art von Initiative”, fügt Dr. Regan hinzu. „Wir brauchen ein Gerät, das sowohl kompakt als auch robust genug für den Einsatz in präklinischen Situationen ist. Natürlich muss es in Notsituationen, in denen Sanitäter unter hohem Druck stehen, auch intuitiv zu bedienen sein. Da ich im Laufe meiner Karriere bereits mit verschiedensten POC-Ultraschallsystemen gearbeitet habe – darunter auch im präklinischen Rettungswesen als Mitglied des Sydney Helicopter Emergency Medical Service, der auf SonoSite vertraute –, wusste ich, dass SonoSite-Systeme die perfekte Lösung für diese Art von Situation darstellen.”

„Die Sanitäter, die wir bisher ausgebildet haben, waren in kürzester Zeit mit der Bedienung des M-Turbo-Systems vertraut, sodass sie schnell die notwendigen Bilder zur Ferndiagnose aufnehmen konnten. Die Ausrüstung muss Langlebigkeit und Ausdauer bieten, wenn sie in hektischen Umgebungen wie einem Krankenwagen verwendet wird, da die Ultraschallauswertung sich reibungslos in den Alltag des Ambulanzpersonals integrieren lassen muss.”

*Der medizinische Tätigkeitsbereich kann je nach Land, Staat und/oder örtlicher Rechtslage variieren.

 

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