Ultraschallführung für Fistelchirurgie in Gambia

November 14, 2017

Point-of-Care-Ultraschall ist ein wichtiges Werkzeug für erfolgreiche Fistelchirurgie bei Dialysepatienten. Es ermöglicht sowohl präoperative Abbildungen für die Ermittlung eines geeigneten Zugangs als auch postoperative Fistel-Scans zur Erkennung von Stenosen und zur Überprüfung des Blutflusses.

Anna Jerram, klinische Wissenschaftlerin für Gefäßmedizin an der Manchester Royal Infirmary, erläutert, wie sie im Rahmen ihrer Reise nach Gambia dank POC-Ultraschall lebensrettende Fisteloperationen durchführen konnte.

„Hämodialyse ist in Gambia derzeit nur sehr begrenzt verfügbar. Die Ida Bass Kidney Foundation (IBKF) wurde 2013 von Sailey Fladsrud gegründet. Der ausschlaggebende Grund dafür war der Tod ihrer Mutter, die nur elf Monate, nachdem bei ihr chronisches Nierenversagen diagnostiziert wurde, verstarb. Seit ihrer Gründung hat die Hilfsorganisation in Banjul, der Hauptstadt von Gambia, ein Hämodialyse-Zentrum mit 14 Betten aufgebaut. Die Dialysegeräte wurden von britischen Krankenhäusern gespendet. Im Mai hatten vier Experten der Manchester Royal Infirmary – darunter zwei Nierentransplantationschirurgen, eine auf Gefäßzugänge spezialisierte Pflegekraft und ich – die Gelegenheit, die karitative Einrichtung zu besuchen, um Fisteloperationen am Edward Francis Small Hospital durchzuführen.“

„Die Dialyse wird am Hämodialyse-Zentrum vor allem mittels temporärer Zugänge durchgeführt, die aufgrund des Dauerkatheters anfällig für Infektionen sind. Alternativ kann im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs eine arteriovenöse Fistel im Arm des Patienten angelegt werden, indem man eine Arterie und eine Vene direkt miteinander verbindet und so einen höheren Blutfluss gewährleistet. Bei der Dialyse werden Nadeln in Einfluss- und Ausflussrichtung gelegt, was zu deutlich niedrigeren Infektionsraten im Vergleich zur Katheterisierung führt. Für Chirurgen sind Ultraschallgeräte bei einer Fisteloperation ganz entscheidend, um Blutgefäße zuzuordnen und einen geeigneten Zugang für die arteriovenöse Fistel zu finden, da dies immer von der individuellen Anatomie der Patienten und der Qualität der Blutgefäße abhängt.“

 

„Wenn es einen geeigneten Zugang am Handgelenk gibt, wird man es zuerst dort versuchen, denn im Falle von Komplikationen hat man immer noch höher gelegene Zugänge zur Verfügung. Ultraschall wird dann zum postoperativen Scannen der Fistel eingesetzt, um sicherzustellen, dass das Flussvolumen für die Dialyse geeignet ist – das optimale Flussvolumen liegt bei 600 ml/Minute oder darüber. Es ist auch wichtig, den Durchmesser und die Tiefe einer Fistelvene zu bestimmen, um sich zu vergewissern, dass sie nicht zu tief für eine Dialyse ist. Wenn dies der Fall ist, lassen sich die Nadeln nicht ordentlich einführen und die Vene muss näher an die Oberfläche geholt werden.“

„In Manchester verwende ich zur präoperativen Abbildung und klinischen Nachbehandlung von Fisteln ein M-Turbo von FUJIFILM SonoSite. Für die Reise nach Gambia hatte ich ein solches Gerät von SonoSite ausgeliehen, um vor Ort optimale Ergebnisse zu erzielen. In nur einer Woche wollten wir so viele Patienten wie möglich behandeln. Also haben wir den gesamten Vorgang beschleunigt, die nötigen Ultraschallaufnahmen der Patienten möglichst schnell gemacht und die Operationen dann innerhalb von 24 Stunden vorgenommen. Es stellte sich schnell heraus, dass die Eingriffe komplexer als erwartet sein würden, da einige Patienten bereits fehlgeschlagene Fisteln hatten. Dadurch war es viel schwieriger, einen neuen geeigneten Zugang zu finden. Besonders in diesen Fällen halfen uns die Ultraschall-Abbildungen enorm weiter. Bei einigen Patientenuntersuchungen war unser Team überrascht: Bei einem Patienten war ein Teil der Vene thrombosiert, aber ein anderer Venenast sah vielversprechend aus, sodass der Facharzt die Operation durchführen konnte. Die vorgenommenen Fisteloperationen waren allesamt erfolgreich.“

„Die Patienten, die sich der Operation unterzogen, waren sehr dankbar, denn sie hätten sich die Operation privat nicht leisten können, und das ist zurzeit die einzige verfügbare Alternative. Während unseres Besuches konnten wir auch das Krankenhauspersonal in wichtigen Themen schulen, etwa was die Theorie des Fistel-Ultraschalls, die Venen-Abbildung sowie das Anlegen einer Fistel und die Nachbehandlung betrifft. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, einen regen Austausch mit den Kollegen in Gambia zu fördern und dem Krankenhauspersonal einen Besuch in Manchester zu ermöglichen.“

 

Erfahren Sie, wie ein Arzt mit tragbaren Ultraschallgeräten nach Gambia reiste

Dr. Engevik reiste mit einem SonoSite iViz nach Gambia, um zu zeigen, weshalb tragbare Ultraschallgeräte gerade für die Erkennung von inneren Verletzungen bei Traumapatienten – wie inneren Blutungen, durchbohrten Lungen oder einer gerissenen Milz – besonders nützlich sind.

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