Erste Wahl Ultraschall bei Nierenkolik

Die Exposition gegenüber ionisierender Strahlung wächst

Jährlich erleiden fast 1,2 Millionen Menschen eine Nierenkolik; sie ist für etwa 1 Prozent der Krankenhausaufnahmen verantwortlich.1 Die Diagnose von Nierensteinen erfolgt bei Patienten mit Nierenkolik oft durch Computertomografie (CT) und weniger häufig durch intravenöse Urografie (IVU).2 Während CT und IVU präzise Diagnosetests sind und Größe, Form und Position von Harnsäuresteinen klar definieren, gibt es auch eine Reihe von Faktoren, die gegen ihre Anwendung sprechen3 , u. a. die potenziellen Risiken durch wiederholte Dosen ionisierender Strahlung. In der Tat hat die Joint Commission vor Kurzem einen Sentinel Event Alert4 zu den Strahlungsrisiken durch Diagnoseverfahren ausgegeben. Darin wird berichtet, dass sich die Belastung von US-Amerikanern durch ionisierende Strahlung in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt hat. Die Kommission stellt fest: „… jeder Arzt kann Tests anordnen, bei denen der Patient Strahlung beliebiger Frequenz ausgesetzt wird, ohne zu wissen, wann der Patient bereits bestrahlt wurde und wie viel Strahlung er ausgesetzt war.“

Berrington de Gonzales et al. kombinierten risikobasierte Modelle mit Daten zur Häufigkeit von Scans in den USA im Jahr 2007 und schätzten, dass 29.000 künftige Fälle von Krebs im Zusammenhang mit CT-Scans stehen könnten. Der Großteil dieser Fälle ist auf Scans des Bauchraums und des Beckens zurückzuführen.5 Medicare-Daten von 2006 und 2009 zeigen, dass CT-Scans in fast 80 Prozent aller Fälle zur Diagnose der Nierenkolik eingesetzt wurden. Angesichts der Tatsache, dass Nierenkoliken oft wiederholt auftreten, erhöht sich das strahlungsbedingte Risiko für den Patienten.

Die Verwendung von Ultraschall zur Verringerung der Risiken

Die Ergebnisse des Point-of-Care-Ultraschalls sind sofort verfügbar, und der Patient wird keiner ionisierenden Strahlung ausgesetzt. Eine der Empfehlungen der Joint Commission aus dem Sentinel Event Alert zur Reduzierung der Strahlenbelastung besteht darin, andere Darstellungstechniken wie Ultraschall oder MRT zu verwenden, „… wenn derartige Tests die benötigten Diagnoseinformationen auf ähnlichem Qualitätsniveau liefern“. Studien haben ergeben, dass Ultraschall in der Mehrzahl der Fälle zuverlässige, nicht invasive Diagnosen für Nierenkolik liefert.6,7

Die European Association of Urology empfiehlt in ihren Richtlinien zur Urolithiasis aus dem Jahr 2011, dass für Patienten mit einer Nierensteinerkrankung Darstellungsverfahren auf eine klinische Untersuchung folgen sollten. Die erste Wahl bei der Darstellung ist Ultraschall: „Ultraschall sollte als primäres Verfahren verwendet werden. Ultraschall ist eine sichere (strahlungsrisikofreie), reproduzierbare und kostengünstige Methode zur Entdeckung von Harnsteinen.“ Ultraschallscans können Steine in den Kelchen, im Becken, am pyeloureteralen und vesikoureteralen Übergang sowie in der Erweiterung der oberen Harnwege aufdecken.8

Medicare erlaubt Gebühren zur Nierenkolikdiagnose nach Typ oder Darstellung, 2009 (nur vom Dienstleister abgerechnete Dienste)

      CT

      Ultraschall

Kosteneinsparungen im nationalen Gesundheitswesen

Geschätzte Einsparungen 2009 bei Medicare-Ausgaben durch Einsatz von Ultraschalldiagnose anstelle von CT und MRT (in Millionen US-Dollar)

      Verletzungen der Rotatorenmanschette

      Knöchelverletzungen

Ultraschall ist bei Nierenkoliken nicht nur klinisch wirksam, die Kosten liegen gegenüber CT auch wesentlich niedriger. Einem Bericht der KNG Health Consulting, LLC9 zufolge könnten das US-amerikanische Gesundheitswesen und die Patienten erhebliche Kosten sparen, wenn Ultraschall als erstes Diagnosesystem eingesetzt werden würde. KNG untersuchte die Medicare-Daten aus dem Jahr 2009 und zeigte, dass bei 30 Prozent der Nierenkolikdiagnosen mit Ultraschall anstelle von CT insgesamt 21,6 Millionen US-Dollar eingespart worden wären. Bei einer Substitutionsrate von 70 Prozent hätten sich die Einsparungen auf über 50 Millionen US-Dollar erhöht. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Ultraschall nicht nur eine sichere und effektive erste Wahl für viele Patienten mit Nierenkolik, sondern auch erheblich kosteneffektiver für den Patienten und das Gesundheitswesen ist.

Quellenangaben

1Wolf JS. Nephrolithiasis: Acute renal colic. Medscape Reference, 2011. Available at:http://emedicine.medscape.com/article/437096-overview

2Renal colic is a condition that begins as pain in the kidney area or below and radiates through the flank until reaching the bladder. Renal colic pain tends to remain constant and may come in two varieties: dull or acute. Koenig L, Ruiz D, Cornejo A. Potential cost savings from the use of diagnostic ultrasound in the Medicare population. KNG Health Consulting LLC, 2011. Prepared for SonoSite, Inc.

3Wolf JS. Nephrolithiasis: Acute renal colic. Medscape Reference, 2011. http://emedicine.medscape.com/article/437096-overview

4The Joint Comission Sentinal Event Alert, issue 47, August 24, 2011.http://www.jointcommission.org/assets/1/18/SEA_471.PDF

5Berrington de Gonzales A, Mahesh M, Kim K, Bhargavan M, Lewis R, Mettler F, et al. Projected cancers risks from computed Tomographic scans performed in the United States in 2007.Arch Intern Med. 2009;169(22):2071-77.

6Erwin B, Carroll B, Sommer G. Renal Colic: The role of ultrasound in initial evaluation.Radiology. 1984;(152)147-50.

7Perven A, Ammar A. Role of ultrasound in evaluation of renal colic and assessment of risk factor for renal calculi.Gomal Journal of Medical Sciences, Jan. - June, 2007;5(1).

8Turk C, Knoll T, Petrik A, et. al.Guidelines on Urolithiasis, European Association of Urology, 2011.

9Renal colic is a condition that begins as pain in the kidney area or below and radiates through the flank until reaching the bladder. Renal colic pain tends to remain constant and may come in two varieties: dull or acute. Koenig L, Ruiz D, Cornejo A. Potential cost savings from the use of diagnostic ultrasound in the Medicare population. KNG Health Consulting LLC, 2011. Prepared for SonoSite, Inc.

Ausgewählte weitere Literaturhinweise

Katz SI, Saluja S, Brink JA, et al. Radiation dose associated with unenhanced ct for suspected renal colic: Impact of repetitive studies.Am J Roentgenol. 2006;186(4):1120-4.

Chauhan V, Eskin B, Allegra JR, Cochrane DG. Effect of season, age, and gender on renal colic incidence.Am J Emerg Med. 2004;22(7):560-3

Brenner DJ, Hall EJ. Computed tomography - An increasing source of radiation exposure.New Eng J Med. 2007;357:2277-84.